
Checkliste für Gutachten und Probefahrt bei gebrauchten Leopard-Katamaranen
Wenn Sie bei einem gebrauchten Leopard-Katamaran zu Gutachten und Probefahrt kommen, haben Sie bereits viel Vorarbeit geleistet. Ab hier verlassen Sie sich nicht mehr auf Exposé-Fotos, sondern auf Fakten: das Gutachten eines erfahrenen Sachverständigen, objektive Messwerte und das, was Sie unter den Füßen spüren, sobald das Boot in Fahrt ist.
Unsere Makler haben Käufer durch Hunderte von Begutachtungen an Leopard Segel- und Motorkatamaranen begleitet – aus Charterflotten ebenso wie aus privater Eignerhand. Wir haben erlebt, wie eine gute Probefahrt einen Kauf gerettet hat, und gelegentlich auch, wie Käufer klugerweise abgesprungen sind, weil die Fakten nicht zum Prospekt passten. Diese Checkliste soll aus Ihnen keinen Gutachter machen, sondern Ihnen helfen, das Beste aus dem Prozess herauszuholen.
Bevor Sie Termine vereinbaren
Stellen Sie zunächst sicher, dass Umfang und Zeitrahmen von Gutachten und Probefahrt im Kaufvertrag klar geregelt sind. Ist das erledigt, können Sie die richtigen Fachleute einbinden und Überraschungen vermeiden.
- Prüfen Sie, ob der Vertrag eine Begutachtung im Wasser, eine Besichtigung an Land (Kranung) und eine Probefahrt vorsieht – dazu klare Fristen und einen Rücktrittsvorbehalt für den Fall eines negativen Gutachtens.
- Wählen Sie einen akkreditierten Gutachter (zum Beispiel NAMS oder SAMS in Nordamerika oder einen Sachverständigen, der Mitglied in Verbänden wie dem International Institute of Marine Surveying (IIMS) oder der Yacht Designers and Surveyors Association (YDSA) in Europa ist) mit nachgewiesener Mehrrumpf-Erfahrung und idealerweise bereits begutachteten Leopard-Katamaranen.
- Entscheiden Sie, ob Sie persönlich vor Ort sein wollen oder sich auf eine Besprechung aus der Ferne mit Fotos, Video und schriftlichem Gutachten verlassen.
- Fragen Sie Ihre Bank und Ihren Versicherer nach besonderen Anforderungen an Gutachten oder Wertermittlung, damit Ihr Sachverständiger diese berücksichtigen kann.
Vorbereitung vor der Begutachtung
Die Logistik stimmt Ihr Makler mit Verkäufer, Werft und Skipper ab. Einige Punkte funktionieren jedoch am besten, wenn der Käufer sie selbst in die Hand nimmt.
- Bestätigen Sie Gutachtertermin, Werft für die Kranung und Zeitfenster für die Probefahrt mit allen Beteiligten (Makler, Verkäufer, Gutachter und Skipper).
- Planen Sie ein Budget für Gutachten, Kranung und mögliche Sonderprüfungen (z. B. Riggkontrolle oder Motordiagnose) zusätzlich zum Standardgutachten ein.
- Geben Sie Ihrem Gutachter alle bekannten Vorgeschichten, Rechnungen und „Beobachtungspunkte“ weiter: frühere Osmosebehandlung, Alter des Riggs, größere Refits, jüngere Grundberührungen oder wiederkehrende Einträge in den Wartungsunterlagen.
- Legen Sie sich eine laufende Liste mit Fragen an, die Sie an Bord und bei der Besprechung stellen wollen – so müssen Sie sich hinterher nicht auf Ihr Gedächtnis verlassen.
Expertenhinweis
Dylan Haas – Ft. Lauderdale, FL
Bei einem Leopard mittleren Alters erwähnte der Verkäufer beiläufig eine „Ruderreparatur vor ein paar Jahren“. Der Käufer meldete das dem Gutachter vorab, der bei der Kranung gezielt diesen Bereich prüfte: Ausrichtung kontrollieren, auf Spannungsrisse am Ruderschaft achten, rund um die Reparatur abklopfen. Die Untersuchung bestätigte, dass die Arbeit fachgerecht ausgeführt war und sich nicht in angrenzende Strukturen ausbreitete – aus einem möglichen Dealbreaker wurde so ein dokumentierter, beherrschbarer Teil der Bootsgeschichte.
Was Ihr Gutachter üblicherweise prüft
Eine solide Begutachtung eines Leopard-Katamarans läuft methodisch ab. Sie umfasst Struktur, Sicherheit und Systeme und führt die Ergebnisse anschließend in einer Wertermittlung zusammen. Sie müssen nicht jeden Schritt mitverfolgen, aber es hilft zu wissen, was auf der Liste steht.
Identität, Papiere und Unterlagen
- Rumpfidentifikationsnummer (HIN), Registrier- bzw. Flaggendokumente und Motor-Seriennummern mit den Papieren abgleichen.
- Logbücher, Wartungsunterlagen, Rechnungen größerer Refits sowie sämtliche Werft- oder Herstellerunterlagen des Verkäufers sichten.
Rumpf, Decks und Struktur
- Rumpfseiten, Brückendeck und Unterwasserbereiche auf Anzeichen von Schlagschäden, Reparaturen oder Osmoseblasen prüfen.
- Deck, Cockpit und Decksaufbau auf weiche Stellen, Risse und Wassereintritt an Beschlägen, Luken und Fenstern kontrollieren.
- Zugängliche Strukturbauteile wie Schotten, Stringer und Püttingbereiche auf Bewegung oder gelöste Laminatverbindungen untersuchen.
Expertenhinweis: Bei einem wenig genutzten Leopard 40 stellte sich ein kleiner Riss in einem Cockpitstaufach als rein kosmetisch heraus. Bei einem anderen Boot deutete ein ähnlich aussehender Riss nahe einem tragenden Schott auf eine frühere Kollision hin, die weitere Untersuchungen rechtfertigte. Genau hier verdient ein Gutachter, der die Lasten eines Mehrrumpfboots versteht, sein Honorar.
Kiele, Ruder und Unterwasserausrüstung
- Kiele und Ruder auf Schäden, Qualität der Spachtelung sowie Spiel oder Fehlausrichtung beurteilen.
- Wellenanlagen bzw. Saildrives, Propeller, Cutlasslager und Anoden prüfen.
Motoren und Maschinenanlage
- Motoren und Getriebe visuell auf Leckagen, Korrosion, schlecht verlegte Schläuche oder Behelfsreparaturen prüfen.
- Motorlager, Abgasstrecken, Kraftstoffleitungen, Filter und Schaltgestänge kontrollieren.
- Betriebsstunden erfassen und mit dem Gutachter entscheiden, ob zusätzliche Diagnosen (etwa Kompressionsprüfung oder Ölanalyse) angesichts Alter und Nutzung sinnvoll sind.
Elektrik, Sanitär und Sicherheit
- Verbraucher- und Starterbatterien, Ladequellen (Lichtmaschinen, Landstrom, Generator, Solar) sowie die AC/DC-Hauptverteilung testen.
- Sichtbare Kabelwege auf Scheuerstellen, ungesicherte Bündel und nicht seewasserfeste Komponenten prüfen.
- Frischwasseranlage, Pumpen, Boiler und – falls vorhanden – den Wassermacher im Normalbetrieb laufen lassen.
- Nasszellen, Fäkalientanks, Bordwanddurchlässe und Seeventile auf Undichtigkeiten, Schwergängigkeit oder Funktionsausfälle kontrollieren.
- Prüfen, ob die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung (Lenzpumpen, Feuerlöscher, Rettungswesten soweit erforderlich, Signalmittel falls mitgeführt) vorhanden und in ordentlichem Zustand ist.
Segel und Rigg (bei Segelkatamaranen)
- Stehendes Gut, Püttinge, Mast und Baum sowie sichtbare Beschläge auf Korrosion oder Risse untersuchen.
- Segel nach Alter, UV-Schäden, Reparaturen und Restlebensdauer beurteilen, einschließlich Rollsegel und Vorwindsegel.
- Laufendes Gut und Decksbeschläge auf Scheuerstellen, festsitzende Blöcke und Winschzustand prüfen.
Expertenhinweis
Richard Vass – Tortola, BVI
Bei Ex-Charter-Leopards sind Segel und laufendes Gut üblicherweise Verschleißteile. Ein Gutachten, das ein neues Großsegel und neues laufendes Gut empfiehlt, bedeutet nicht automatisch, dass das Boot eine schlechte Wahl ist – es liefert Ihnen schlicht realistische Zahlen für Ihr Budget nach dem Kauf.
Kranung: die Besichtigung an Land
Viele Ankaufsgutachten schließen eine Kranung auf einer kooperierenden Werft ein, damit der Gutachter sehen kann, was sonst unter Wasser liegt. Das ist Ihre beste Gelegenheit für detaillierte Fotos von Unterwasserschiff, Kielen und Antriebsanlage.
- Kranungstermin und Werftkosten vorab klären (Kranen, Aufbocken, Hochdruckreinigung, Standzeit an Land).
- Unterwasserschiff und Kiele auf Osmoseblasen, frühere Reparaturen, Spachtelarbeiten und Anzeichen von Grundberührungen prüfen.
- Ruder, Saildrives oder Wellen, Propeller sowie sämtliche Beschläge und Anoden unterhalb der Wasserlinie kontrollieren.
- Machen Sie klare Fotos der wichtigsten Unterwasserbereiche – für Ihre Unterlagen und künftige Gespräche mit der Werft.
Probefahrt: wie sich das Boot in Fahrt verhält
Bei der Probefahrt trifft die Checkliste auf die Wirklichkeit. Sie achten darauf, wie der Leopard beschleunigt, wie er klingt und wie sich die Systeme verhalten, wenn alles gleichzeitig läuft.
Motoren und Manövrierverhalten
- Motoren kalt starten und Startverhalten, Temperaturen sowie Öldruck prüfen.
- Den gesamten Drehzahlbereich durchfahren, einschließlich üblicher Reisedrehzahl und nahezu Volllast, und dabei auf Vibrationen, Geräusche oder Rauch achten.
- Ein- und Auskuppeln, Ansprechverhalten in Vor- und Rückwärtsfahrt sowie Manöver auf engem Raum testen.
- Prüfen, ob die Steuerung leichtgängig ist, ohne übermäßiges Spiel oder Schwergängigkeit.
Navigation, Elektronik und Bordsysteme
- Kartenplotter, Echolot und – falls vorhanden – Autopilot, Radar und AIS während der Fahrt nutzen.
- Wichtige Bordsysteme unter Last einschalten (Kühl- und Gefrierschränke, ggf. Klimaanlage, Pumpen) und auf Spannungseinbrüche oder unbeabsichtigt auslösende Sicherungen achten.
Segelleistung (bei Segelkatamaranen)
- Groß- und Vorsegel setzen und trimmen, dann auf verschiedenen Kursen segeln, um Kursstabilität und Beschleunigung zu beurteilen.
- Wenden und halsen, um Handling, Ruderdruck und ungewöhnliche Geräusche oder Riggbewegungen unter Last zu bewerten.
Leistung von Motorkatamaranen (Powercats)
- In Verdrängerfahrt, bei üblicher Reisegeschwindigkeit und nahe Höchstgeschwindigkeit fahren und dabei Kurvenverhalten, Fahrkomfort und Geräuschniveau beurteilen.
Expertenhinweis
Patrick O'Reilly – Leiter Amerika
Es ist normal, dass bei einer Probefahrt kleinere Punkte auf der Mängelliste landen – ein schwergängiges Seeventil, eine launische Anzeige, ein defekter Kühlschrankverschluss. Entscheidend ist, zwischen behebbaren Ärgernissen und strukturellen oder mechanischen Problemen zu unterscheiden, die Ihr Gefühl für das Boot verändern.
Ihre Rolle als Käufer
Leopard Brokerage koordiniert die Abläufe und hilft Ihnen, die Ergebnisse einzuordnen. Ein guter Begutachtungsprozess ist aber Teamarbeit: Sie, Ihr Makler und Ihr Gutachter haben jeweils Ihren Part.
- Wählen und beauftragen Sie Ihren Gutachter selbst – er arbeitet für Sie, nicht für den Verkäufer oder den Makler.
- Seien Sie nach Möglichkeit persönlich dabei; andernfalls vereinbaren Sie einen festen Termin, um Gutachten und wichtige Fotos gemeinsam durchzugehen.
- Lesen Sie das schriftliche Gutachten sorgfältig, markieren Sie alles, was Sie nicht verstehen, und lassen Sie es sich von Ihrem Gutachter erklären.
- Besprechen Sie wesentliche Feststellungen mit Ihrem Leopard-Brokerage-Makler, um zu entscheiden, ob Sie Reparaturen verlangen, nachverhandeln oder von Ihrem Rücktrittsvorbehalt Gebrauch machen.
Nach Gutachten und Probefahrt
Sind Gutachten und Probefahrt abgeschlossen, haben Sie in der Regel eine festgelegte Frist, um das Schiff schriftlich anzunehmen oder abzulehnen – oft mit Spielraum, auf Grundlage wesentlicher neuer Erkenntnisse Anpassungen vorzuschlagen. Ein gründliches Gutachten garantiert kein perfektes Boot, gibt Ihnen aber ein realistisches, nach Priorität geordnetes Bild dessen, was Sie kaufen.
- Bestätigen Sie innerhalb der vereinbarten Frist schriftlich, ob Sie das Schiff wie besichtigt annehmen, unter Vorbehalt vereinbarter Anpassungen annehmen oder aufgrund des Gutachtens ablehnen.
- Nutzen Sie das Gutachten als Arbeitsgrundlage für Ihren Wartungs- und Aufrüstungsplan im ersten Jahr als Eigner.
Unsere Aufgabe als Makler ist es, Ihnen zu helfen, die Ergebnisse von Gutachten und Probefahrt gegen Ihre Törnpläne, Ihr Budget und Ihre Risikobereitschaft abzuwägen. Ein sauberes Gutachten kann Ihnen die Sicherheit geben, zügig zum Abschluss zu kommen. Auch ein Gutachten mit einigen klar umrissenen Projekten kann zu einem hervorragenden Ergebnis führen – solange Sie mit offenen Augen hineingehen und die Zahlen für Sie aufgehen.